Dachdecker verbinden Handarbeit mit digitalen Abläufen und neuen Energieaufgaben.
Das Handwerk erzielte zuletzt rund 13,5 Milliarden Euro Umsatz; Reparaturen, Sanierungen und Modernisierungen tragen die Nachfrage. Technik unterstützt Vermessung und Organisation, ersetzt aber nicht die fachgerechte Beurteilung und Reparatur.
- Drohnen dürfen höchstens 120 Meter hoch und nur in Sichtweite fliegen; für Flüge über Wohngrundstücke mit Kamera ist die Zustimmung der Eigentümer nötig.
- Drohnen benötigen unabhängig vom Gewicht eine Haftpflichtversicherung; ab 250 Gramm oder mit Kamera ist die Registrierung beim Luftfahrt-Bundesamt Pflicht.
- 93,5 Prozent der befragten Dachdeckerbetriebe kooperieren bei Photovoltaik mit dem Elektrohandwerk; drei von vier haben einen festen Partnerbetrieb.
- Seit 2016 gibt es den Ausbildungsschwerpunkt Energietechnik an Dach und Wand; mehr als 3.500 Betriebe haben die Weiterbildung zum zertifizierten PV-Manager absolviert.
Wie steht das Dachdeckerhandwerk heute wirtschaftlich da?
Die wirtschaftliche Ausgangslage ist insgesamt stabil, denn das Dachdeckerhandwerk gilt innerhalb der Bauwirtschaft als vergleichsweise krisenfest und erzielte zuletzt einen Umsatz von rund 13,5 Milliarden Euro. Getragen wird diese Entwicklung vor allem von Reparaturen, Wartungen, Sanierungen und energetischen Modernisierungen, während die Nachfrage im Neubau seit einiger Zeit zurückgeht. Auch beim Nachwuchs ist die Entwicklung positiv, denn die Zahl der Ausbildungsverhältnisse hat den höchsten Stand seit 2002 erreicht.
Gleichzeitig verlangen höhere Materialpreise und ein wachsender Dokumentationsaufwand nach effizienten Abläufen im Büro und auf der Baustelle.
Welche digitalen Werkzeuge erleichtern die Arbeit auf dem Dach?
Viele digitale Neuerungen setzen bei alltäglichen Arbeitsschritten an und sparen dort Zeit. Ein Aufmaß aus der Luft ist vor allem bei großen oder schwer zugänglichen Dächern hilfreich, denn die Drohne liefert in wenigen Minuten Bilder von Kehlen, Graten und Anschlüssen. Das senkt das Unfallrisiko und gibt der Kundschaft anhand der Aufnahmen einen nachvollziehbaren Eindruck vom Zustand des Dachs. Auch bei regelmäßigen Kontrollen ist die Technik hilfreich, weil sich Moosbewuchs auf dem Dach, verschobene Ziegel oder verstopfte Rinnen so früh erkennen lassen.
Welche Lösungen kommen im Betrieb zum Einsatz?
| Werkzeug | Einsatz | Nutzen | Voraussetzung |
| Drohne | Aufmaß, Inspektion, Schadensfotos | Kein Aufstieg nötig, schnelle Bilder | Registrierung und Kompetenznachweis |
| Aufmaßsoftware | Pläne und Materiallisten aus Messdaten | Weniger Fehler beim Übertragen | Einarbeitung ins Programm |
| Mobile Apps | Zeiterfassung, Baustellendoku, Mängelprotokolle | Nachweise direkt vor Ort | Smartphone oder Tablet im Team |
| Handwerkersoftware | Angebote, Rechnungen, Termine | Daten ohne doppelte Eingabe | Gepflegte Stammdaten |
Welche Regeln gelten für Drohnen im Betrieb?
Seit Ende 2020 gelten europaweit einheitliche Regeln für Drohnen, die auch für Handwerksbetriebe verbindlich sind. Vor dem ersten Flug sollten diese Punkte geklärt sein.
- Registrierung beim Luftfahrt-Bundesamt ab 250 Gramm oder bei eingebauter Kamera
- EU-Kompetenznachweis per Online-Prüfung für die meisten Drohnen der offenen Kategorie
- Flughöhe bis maximal 120 Meter und Flug nur in Sichtweite
- Wohngrundstücke mit Kamera nur mit Zustimmung der Eigentümer überfliegen
- Haftpflichtversicherung unabhängig vom Gewicht der Drohne
Warum wird das Dach immer mehr zum Energiesystem?
Das Dach war lange vor allem eine schützende Hülle, heute übernimmt es dagegen zusätzliche Aufgaben, etwa als Standort für Solarmodule, als Fläche für Begrünung oder als Teil der Gebäudedämmung. Für Dachdeckerbetriebe öffnet sich damit ein wachsendes Geschäftsfeld rund um Photovoltaik und Solartechnik.
Die Montage einer PV-Anlage berührt allerdings mehrere Gewerke, denn Dachdecker kümmern sich um Unterkonstruktion, Befestigung und eine dichte Dachhaut, während Elektrofachbetriebe den Anschluss übernehmen. In einer Verbandsumfrage gaben 93,5 Prozent der befragten Dachdeckerbetriebe an, bei Photovoltaik mit dem Elektrohandwerk zu kooperieren, wobei drei von vier auf einen festen Partnerbetrieb setzen.
Ein weiteres Zukunftsthema ist das Solargründach, das Photovoltaik und Dachbegrünung auf einer Fläche verbindet. Welche Ideen in diesem Bereich bereits umgesetzt werden, zeigt etwa das ausgezeichnete Gründach des Jahres.
Welche Kompetenzen brauchen Dachdecker in Zukunft?
Handwerkliches Können bleibt die Grundlage jeder Arbeit am Dach, daneben gewinnen technisches Verständnis und Wissen über Energie und Bauphysik allerdings an Bedeutung. Seit 2016 gibt es in der Ausbildung den Schwerpunkt Energietechnik an Dach und Wand, der auf die Montage von Solaranlagen vorbereitet. Die Weiterbildung zum zertifizierten PV-Manager im Dachdeckerhandwerk haben zudem bereits mehr als 3.500 Betriebe durchlaufen, was ungefähr der Hälfte aller Innungsbetriebe entspricht.
Wie gelingt der Einstieg in die Digitalisierung im eigenen Betrieb?
Viele kleine Betriebe scheuen den ersten Schritt, weil der Arbeitsalltag ohnehin ausgelastet ist, dabei muss die Umstellung nicht in einem Schritt erfolgen. Grundsätzlich gilt für das Thema Digitalisierung im Handwerk, dass kleine Schritte oft mehr bewirken als ein großes Umstellungsprojekt. Bewährt hat sich diese Reihenfolge.
- Abläufe prüfen und die zeitaufwendigsten Arbeitsschritte im Büro und auf der Baustelle benennen
- Mit einem Werkzeug starten, etwa mit digitaler Zeiterfassung oder Fotodokumentation
- Mitarbeitende früh einbinden und kurze Schulungen einplanen
- Daten an einem Ort bündeln, damit Angebote, Aufträge und Rechnungen ohne doppelte Eingabe entstehen
- Ergebnisse nach einigen Monaten auswerten und den nächsten Schritt planen
Digitale Lösungen ersetzen allerdings keine Fachkenntnis. Eine Drohnenaufnahme zeigt zwar Schäden, die Beurteilung und die fachgerechte Reparatur bleiben aber Aufgabe erfahrener Dachdecker.
FAQ: Welche Fragen stellen sich rund um die Zukunft des Dachdeckerbetriebs?
Brauchen Dachdecker für Drohnenflüge einen Führerschein?
Für die meisten Drohnen der offenen Kategorie reicht der EU-Kompetenznachweis, der über eine Online-Prüfung beim Luftfahrt-Bundesamt erworben wird. Ab 250 Gramm oder mit Kamera ist außerdem eine Registrierung Pflicht.
Dürfen Dachdecker Photovoltaikanlagen montieren?
Ja, die Montage von Photovoltaikanlagen ist Teil der Dachdeckerausbildung und wird im Schwerpunkt Energietechnik vertieft. Den elektrischen Anschluss übernimmt in der Regel ein Elektrofachbetrieb.
Wird Technik das Handwerk auf dem Dach ersetzen?
Nein, Technik übernimmt vor allem Vermessung, Dokumentation und Verwaltung, während das Decken, Abdichten und Reparieren Handarbeit bleibt, die Erfahrung und Augenmaß verlangt.
Wie sieht der Dachdeckerbetrieb von morgen aus?
Der Dachdeckerbetrieb der Zukunft verbindet das Können am Dach mit einer modernen Organisation im Hintergrund. Technik übernimmt dabei vor allem zeitaufwendige oder risikoreiche Aufgaben und schafft so mehr Raum für die eigentliche Arbeit am Dach, die sich auch künftig nicht automatisieren lässt.
Neue Aufgaben rund um Energie und Klimaanpassung erweitern das Berufsbild zusätzlich und sichern Betrieben ein stabiles Umfeld. Passende Fachbetriebe in der eigenen Region lassen sich im Verzeichnis für Dachdecker finden.
Dieser Artikel wurde von unserer Redaktion verfasst und mit KI-Werkzeugen recherchiert bzw. redigiert.
